Angeblich bin ich glücklich

sagt ein geschätzter Freund in einem Telefonat ganz beiläufig. Diese ungewöhnliche Formulierung hat sich bei mir festgehakt und erst mal nicht losgelassen. Hat sich eingeklinkt in mein Gedankensystem und mich angeregt, über die Bedeutung dieser Formulierung nachzudenken.

Angeben = nennen, mitteilen | bestimmen, festlegen

vs.

= wichtig tun, prahlen

Diese Formulierung steht nun hier und repräsentiert in ihrer beiläufig dahingesagten Bedeutungsvollkommenheit die Dualität in der wir uns bewegen. Und sie steht für die Entscheidung, die jeder von uns trifft, jeden Tag, an jedem Ort.

In dem großen Kulturwandelprojekt in dem ich gerade mitwirken darf, wird viel über Probleme gesprochen. Manche Teilnehmer beißen sich regelrecht fest und mögen ihre Probleme kaum loslassen, obgleich sie sie krank machen, ärgern und den Tag vermiesen.
Ein wenig einladendes Bild, das da in ihren Köpfen projiziert wird. Die, die eine andere Sichtweise haben, werden belächelt, nicht ernst genommen. Wäre es nicht besser sie zu fragen, wie es ihnen gelingt,  unter den gleichen Bedingungen ein anderes Bild zu gestalten.

Angeblich unglücklich.

Und dann ist es manchmal nur ein kleiner Schritt. Ein kleines Bild, eine Übertreibung, Spiegelung des eigenen Verhaltens und vielleicht ein damit ausgelöstes Lächeln.  Das Großartige geschieht: ein Standpunkt wird verlassen, ein neuer Gedanke tritt ein und – achtsam gedüngt – öffnet er sich wie die Blüten gerade rings herum. Beide Standpunkte liegen ganz nah beieinander. Oder?

Angeblich bin ich glücklich.

Es scheint so zu sein, dass viele die Welt gerade als bedrohlich, verroht, unsicher erleben.
Auch ich schwebe nicht auf einer rosarot verklärten Wolke durch die Zeit und doch erlebe ich etwas anderes. Ich erlebe Wertschätzung und Freude, Miteinander und das Teilen von Ressourcen.

Jeden Morgen entscheide ich mich neu, wer ich in dieser Welt sein möchte.
Jeden Morgen wähle ich die Farbe, mit der ich mein Lebenskunstwerk gestalten möchte ganz bewusst aus. Besonders in anspruchsvollen Situationen auch für mich nicht immer einfach. Aber es ist die klare Entscheidung, Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein, die irgendwann einmal selbstverständlich und damit zur Haltung wird.

Ich gebe an, glücklich zu sein.

Diese Wahl beeinflusst meine Wahrnehmung, mein tägliches Erleben und sie beeinflusst die Menschen um mich herum.

Insbesondere in dieser sensiblen Zeit mit immer enger werdenden Vernetzungen, ist es wichtig, welche Impulse wir in unser Netzwerk geben. Wir sollten uns bewusst sein, dass sie wirken und beeinflussen.

Das bedeutet nicht, etwas schön zu reden, was nicht schön ist. Aber zu wählen, sich FÜR etwas einzusetzen und nicht GEGEN etwas. Ein sehr großer und wirkmächtiger Unterschied.

Ich bin müde vom Gejammer und dem kollektiven Runterziehen. Darum habe ich mich über die 32 Botschaften gefreut, die uns Hans Rolling, Professor für internationale Gesundheit, als sein Vermächtnis hinterlassen hat und möchte sie mit Euch teilen.

Hans Rosling hat mit viel schöneren Worten ausgedrückt was in mir ist und auch ich bin

ein nachdenklicher Possibilist

und angeblich glücklich

In diesem Sinne

bleibt ¡nspiriert

Birgit

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